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Die Praxishomepage

Das muss wirklich drauf.

Die Menschen ordern Klopapier über das Internet nach, indem sie auf einen Knopf in ihrem Badezimmer drücken. Sie bestellen Sushi über eine App und verkaufen zeitgleich das gebrauchte Fahrrad. Sie teilen ihrem Fernseher mit, was noch alles auf die Einkaufsliste gehört und googeln eine Diagnose bevor sie zum Arzt gehen. In ein Telefonbuch schaut übrigens schon lange fast niemand mehr. Zeit sich zu fragen welche digitalen Schnittstellen wir als Logopäden eigentlich mit der Außenwelt haben.

 

Einer Schätzung zufolge haben 73% der in Deutschland angemeldeten logopädischen Praxen eine Internetpräsenz in Form einer eigenen Praxishomepage. Die gestalterische Spannbreite ist hier groß. Von einer professionell erstellten Seite bis hin zu einer Art digitalen Visitenkarte ist beinahe alles vertreten. Doch worauf kommt es denn nun eigentlich wirklich an?

 

Auf den ersten Blick eine sehr einfache Frage, die aber bei genauerem Hinsehen einige Tücken bereit hält. Zuallererst solltet ihr euch folgende Fragen stellen: Welche Zielgruppen möchte ich ansprechen und was möchte ich mit meiner Homepage bei diesen Zielgruppen erreichen? Sich damit auseinanderzusetzen ist für alle Bereiche der Außendarstellung wichtig, denn die Zielgruppen können sehr unterschiedliche Ansprüche stellen: Erwachsene mit eigenem Behandlungsbedarf, Eltern von Kindern mit Behandlungsbedarf, Angehörige und Freunde, Patienten bereits mit oder noch ohne Verordnungen, Ärzte, Heim- oder Pflegeeinrichtungen, die für ihre Bewohner suchen usw.. Schnell wird klar wie unterschiedlich die einzelnen Anspruchsgruppen sind und wie anders ihre Erwartungen an die Inhalte einer Webseite. Unser individueller Zielgruppen-Mix setzt setzt sich je nach Ausrichtung, Anbindung und Lage der Praxis aus verschiedenen dieser Zielgruppen zusammen. Ziel ist es natürlich mit der Praxishomepage allen Anspruchsgruppen in höchstmöglichem Maße gerecht zu werden. Dafür machen wir uns das Treppenhaussystem zu Nutze.

 

Die Startseite

Ein potenzieller Patient erreicht die Startseite der Praxis. Welche Informationen sind jetzt an dieser Stelle für ihn besonders wichtig? Die Startseite ist wie eine Art Empfangsmitarbeiterin. Sie gibt Auskunft über den Namen und die Adresse der Praxis; auch über die Öffnungszeiten und Notwendigkeit der Terminvereinbarung. Sie gibt bereitwillig alle Kontaktinformationen wie Telefonnummer und Emailadresse heraus und verweist bei näheren Rückfragen und tiefergehendem Informationsbedarf an die entsprechenden Stellen. Dabei ist es wichtig, dass die Startseite übersichtlich ist und auf den ersten Blick alle relevanten Information greifbar sind. Viele Patienten oder Angehörige wollen im ersten Schritt vielleicht nur die Telefonnummer herausfinden oder abschätzen wie weit die Praxis von ihnen entfernt liegt. Müssen sie danach aufwendig suchen, landen sie schnell bei der nächsten Praxis.

 

Team & Räumlichkeiten

Bilder auf der Praxishomepage sind ein Muss. Patienten können sich so einen ersten Eindruck vom Praxisteam und den Räumlichkeiten machen. Das schafft Sympathie und Vertrauen. Der Patient kann besser abschätzen was und vor allem wer auf ihn zukommt und die Entscheidung wird eher auf euch fallen, als auf eine Praxis, die nur einen Telefonbucheintrag oder eine Homepage ohne Bilder hat. Achtet dabei vor allem auf Professionalität. Die einmalige Investition in einen guten Fotografen macht sich später bezahlt. Die Mitarbeiter sollten namentlich vorgestellt werden und wichtige Fortbildungen oder Schwerpunkte sind zu erwähnen. Logopäden vermarkten kein Produkt, das sie anpreisen können, sondern eine Dienstleistung und diese ist maßgeblich von den Therapeuten abhängig, die sie ausführen. 

 

Rahmenbedingungen

In unserem Treppenhaussystem sind wir eine Etage höher im Sekretariat angekommen. Hier sollten die wichtigsten Informationen rund um die Rahmenbedingungen der Logopädie zu finden sein. Wie komme ich an eine Verordnung? Ich bin mir nicht sicher, ob mein Kind Logopädie benötigt, wie finde ich das heraus? Wann muss eine Zuzahlung gezahlt werden usw.. Eine gute Möglichkeit diese Informationen auf der Praxishomepage einzubinden, ist entweder in den FAQs oder aber als eigene Rubrik "Patienteninfos". Für viele Patienten ist dann an dieser Stelle bereits das Informationsbedürfnis gestillt. Bei manchen sicherlich schon nach dem Gespräch mit der Empfangsdame und dem Überfliegen der Bilder, denn oft entscheidet das "Bauchgefühl" rasant. Für alle, die sich aber noch genauer informieren möchten, geht es weitere Etagen nach oben. Rein theoretisch so viele wir möchten, allerdings sollte ein gewisses Maß an Praktikabilität gewahrt werden.

 

Die oberen Etagen

Auf einigen logopädischen Seiten findet man sehr detaillierte Infos rund um sämtliche Störungsbilder. Das ist eine schöne und oftmals sehr informative Sache, wenn sie gut umgesetzt ist. Diese zusätzlichen Inhalte vermitteln das in der Praxis vorhandene Wissen & Know How und schaffen bei den Zielpersonen wiederum Vertrauen und eine qualitativ höhere Bewertung der Praxis. Allerdings sind diese Inhalte ein "Kann" und kein "Muss". Denn sie erfordern eine Menge Arbeit und Pflege, aber auch einen gewissenhaften Umgang mit Quellenangaben und eine verständliche Sprache. 

 

Apropos Sprache

Kreative Eingebungen bei der Benennung der einzelnen Navigationspunkte im Menü der Homepage sind zwar ansprechend, für eine logopädische Homepage aber zumeist eher kontraproduktiv und verwirrend. Je klarer die Bezeichnung, desto besser finden sich die Patienten zurecht. Insgesamt solltet ihr auf eine verständliche Sprache achten und wenn die Möglichkeit besteht, eine weitere Seite mit den wichtigsten Informationen in so genannter einfacher Sprache (Richtlinien beachten) anbieten. 

 

Die inhaltliche Gestaltung der Praxishomepage ist also eine echte Herausforderung. Grundsätzlich gilt das Prinzip: Von einfach nach komplex. Die erste Seite funktioniert wie eine Visitenkarte und gibt nur die wichtigsten Informationen und Kontaktmöglichkeiten preis (Stufe 1). Wer sich darüber hinaus einen Eindruck von den Praxisräumlichkeiten und den Mitarbeitern verschaffen möchte, sollte dazu in einem separaten Bereich die Möglichkeit bekommen. Daneben gibt es wichtige Patienteninfos über Verordnungen und Zuzahlungen (Stufe 2). Detailliertere Ausführungen zu einzelnen Störungsbildern, Therapiemethoden, Projekten, Kooperationen etc. sind ein freiwilliger Zusatz, den manche Praxen vor allem als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit nutzen (Stufe 3). In späteren Beiträgen werden wir uns noch etwas tiefgreifender mit Themen wie Corporate Design, Suchmaschinenoptimierung, der Präsenz in sozialen Medien und spannenden Zusätzen für Praxiswebseiten beschäftigen. 

 

In diesem Sinne...

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