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Die Arbeitgeberbewerbung

Kreativ durch die Bewerberwüste

Jedes Jahr absolvieren weit mehr als 1000 Logopäden ihr Staatsexamen an einer der derzeit 84* Logopädieschulen allein in Deutschland. Dazu kommen Absolventen von deutschen und niederländischen Bachelor- & Masterstudiengängen, aber auch verwandte Berufe, beispielsweise aus der Sprachheilpädagogik. Doch der Bedarf ist hoch, die Anforderung auch und Arbeitgeber stehen schon lange vor einer Bewerberwüste.

 

 

 

Der logopädische Arbeitsmarkt ist ein Arbeitnehmermarkt und geeignete Mitarbeiter zu finden so schwierig wie nie. Wer unternehmerisch überleben will, muss sich anpassen, kreativ sein; immer wieder auf neue Gegebenheiten einlassen können. Eine Frau hat das getan. Christin Grote steht für eine neue Bewegung von Arbeitgebern, die erkannt haben, dass es nicht nur darum geht Mitarbeiter zu finden. Es geht darum die richtigen Mitarbeiter zu finden. Vor über einem Jahr eröffnete Christin ihre eigene Praxis in Datteln. Die Praxis wird gut angenommen und schnell wird klar, hier muss Unterstützung her. Nur wie?

 

"Es gibt enorm viele Stellenangebote. Ich habe keine Ahnung, wo all die guten Kräfte hin sind.", 

 

sagt sie mir im Interview. Man muss sich als Praxis schon einiges einfallen lassen, um auch als Arbeitgeber wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie also aus der Masse hervorstechen? Christin startet eine mutige Aktion und stellt ein Video online. Hier stellt sie nicht nur sich selbst als Chefin vor, sondern erzählt über die Konditionen als Angestellte ihrer Praxis, führt durch die Räumlichkeiten und gibt den potenziellen Bewerbern die Möglichkeit ihren zukünftigen Arbeitsplatz kennenzulernen. 

 

"Ich denke, dass es einen besseren Einblick in die Praxisräume und ins Arbeitsumfeld des zukünftigen Mitarbeiters gibt. Bei dem Überangebot an schriftlichen Anzeigen ist dies direkt ein anderer Aufhänger."

 

Und nicht nur das. Gerade wir Logopäden wissen wie wichtig Körpersprache und Stimme sind um herauszufinden, ob man auf derselben Wellenlänge ist. Sympathisch oder nicht, auf den ersten Blick entscheiden? Eine Stellenanzeige als Video könnte also auch so manches zeitraubende Bewerbungsgespräch ersparen. Doch es gibt ja nicht bloß Berufsanfänger. Wie sieht es denn eigentlich mit den ganzen unzufriedenen bereits angestellten Fachleuten aus?

 

"Mitarbeiter bleiben nach meiner Erfahrung auch häufig in ihren alten Jobs hängen, bei Arbeitgebern und Arbeitsbedingungen, die nicht fair sind."

 

Werden also Personalberater und Headhunter auch bald in unserer Branche üblich sein? Noch sind die Provisionen nicht lukrativ genug, aber der Gedanke ist naheliegend. Als Arbeitgeber haben wir in jedem Fall eine Menge zu bieten und es ist wichtig das Praxisimage auch als Außenwerbung für Arbeitnehmer zu verstehen. Und für alle, die sich nicht vor die Kamera trauen gibt es dennoch Hoffnung. Das Thema Personalbeschaffung ist sehr komplex und es gibt viele Möglichkeiten unter den vielen Stellenanzeigen aufzufallen. 

 

"Man steht als Arbeitgeber sehr unter Druck weitere Boni zu geben und entweder in die Warteliste zu gehen, wenn keine guten Bewerber dabei sind, oder wie andere zu nehmen, was sie kriegen können.", sagt Christin Grote und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

 

Es ist wichtig zu wissen wen ihr wollt. Macht euch die Mühe und erstellt ein ausführliches Anforderungsprofil mit Muss- und Kann-Eigenschaften. Es gibt immer Dinge, die wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig sind und dann gibt es gewisse Voraussetzungen, die keine Kompromisse erlauben. Seid ihr euch darüber im Klaren, wen euer Stellenangebot erreichen soll, wisst ihr wie und wo ihr das Angebot platzieren müsst. Kreativität ist eine tolle Sache dabei, wichtig ist jedoch den meisten Bewerbern vor allem, dass sie einen Eindruck von der Praxis selbst und dem Team bekommen, aber auch den zukünftigen Aufgaben und Anforderungen. Warum also nicht einmal wie Christin den Schritt vor die Kamera wagen? Oder einen Tag der offenen Tür für Bewerber veranstalten? Hier kann man das Team und die Praxis beschnuppern. Programmpunkte wie Workshops und kostenlose Mini-Fortbildungen machen eine Teilnahme attraktiv und bieten eine wunderbare Gelegenheit auch die Bewerber besser kennenzulernen. Große Firmen nutzen unter anderem auch Recruiting-Messen um potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Ein Instrument, das für uns Therapeuten ebenfalls denkbar ist?

 

In diesem Sinne und mit großem Dank an Christin Grote...

 

* Quelle: www.logo-ausbildung.de (Stand: 01.04.2018)

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