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Richtig bewerben mit dem Fachwirt

5 Schritte zum neuen Job

Hoch sind die Ansprüche der Weiterbildung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen, noch höher die Ansprüche an einen selbst. Die größte Motivation für die meisten um durchzuhalten: "Danach stehen mir alle Türen offen!" Das zumindest versprechen die aufwendigen Hochglanzkataloge der Anbieter. Aber ist das wirklich so? Ja ist es, aber nur wenn man weiß, wie man sich selbst in das beste Licht rückt und sich auch auf die richtigen Jobs bewirbt. Logowiwi zeigt in fünf Schritten den Weg zum Traumjob.

 

Schritt 1: Was will ich?

Der Wunsch nach einer anspruchsvolleren Aufgabe, mehr Gehalt und mehr Anerkennung ist manchmal so groß, dass wir vergessen uns zu fragen, wie unser Traumjob eigentlich aussieht. Solange man sich darüber aber nicht im Klaren ist, wird man keine befriedigende Arbeit finden, weil man nicht nach den richtigen Stellen sucht. Daher besteht Schritt 1 darin, sich ein ausführliches Bild davon zu machen wie die eigene Traumstelle aussehen soll. Die Checkliste im Downloadbereich hilft euch dabei. Häufig ist die Suche nach erfolgreich absolviertem IHK-Abschluss weniger eine Jobsuche, sondern viel mehr eine Berufswahl. Nicht selten möchten wir in einen ganz anderen Bereich wechseln. Diesen Prozess solltet ihr euch bewusst machen.

 

Schritt 2: Die Jobsuche

"Kleide dich nicht für den Job, den du schon hast, sondern für den Job, den du willst!" Ein klassischer Spruch, der Bewerbern gerne mit auf den Weg gegeben wird. Für unsere Jobsuche hat diese Aussage aber einen essentiellen Wert, denn wer eine Führungsposition möchte, sollte auch genau dort suchen wo diese angeboten werden. Im Klartext heißt das: Aufgepasst bei der Wahl des Jobportals. Stepstone statt Arbeitsamt! Ihr habt bis zu diesem Punkt bereits viel investiert in eure Weiterbildung, hört damit nicht an der entscheidensten Stelle auf. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt um Netzwerken zu lernen, ein professionelles XING oder LinkedIN Profil anzulegen und Veranstaltungen zu besuchen. Auch Initiativbewerbungen können mit der richtigen Aussagekraft erfolgreich sein. Drei Dinge sind bei der Auswahl von Stellenangeboten, auf die ihr euch bewerben möchtet, besonders wichtig.

  1. Realismus statt falschem Optimismus 
    Die angestrebte Stelle sollte zu euch, zu eurem Werdegang und Entwicklungsstand passen. Eine Bewerbung als Geschäftsführer wäre zum jetzigen Zeitpunkt ebenso unrealistisch wie eine Bewerbung als Pflegedienstleitung, wenn man eigentlich Zahnmedizinischer Fachangestellter ist. 
  2. Weniger ist mehr
    Gerade jetzt wird es euch nicht weiterbringen zwanzig Bewerbungen -schlimmstenfalls noch einheitlich- zu verschicken. Besser maximal drei sehr individuelle und gut vorbereitete Bewerbungen. 
  3. Traumstelle nicht aus den Augen verlieren
    Übergeht euch bei der Stellenwahl nicht selbst. Beachtet stets die Punkte, die ihr in Schritt 1 ausgearbeitet habt, denn nur so könnt ihr sicherstellen, dass ihr längerfristig mit eurer neuen Aufgabe glücklich werdet. Kompromisse sind immer sorgfältig abzuwägen.

Das richtig Stellenangebot gefunden? Wenn ja, geht es weiter mit Schritt 3:

 

Schritt 3: Die Vorarbeit

Ja richtig. Wir schreiben noch immer nicht die Bewerbung. Ihr wisst, auf welche Stelle ihr euch bewerben wollt? Wunderbar. Jetzt geht es ans Informationen sammeln. Das Studieren der Unternehmenswebseite ist eine Selbstverständlichkeit und wird von den meisten Personalern schlichtweg erwartet. Da ihr als Fachwirte aber natürlich sehr viel mehr Weitblick für euer zukünftiges Unternehmen habt, schaut ihr euch auch Kundenbewertungen im Internet an, lest Mitarbeiterbewertungen z.B. bei "kununu" und beachtet die Infrastruktur rund um das Unternehmen sowie Marketingmaßnahmen, die nach außen hin wahrnehmbar sind. Auch Öffentlichkeitsarbeit wie Zeitungsartikel sind durchaus im Internet aufspürbar, wenn es sie gibt. Bereits jetzt werden euch die ersten Ideen kommen, was im Unternehmen verbessert werden kann. Ihr seid "noch" ein Außenstehender und betrachtet vor allem die Außenwirkung sehr viel realistischer, als es das Unternehmen vielleicht selbst tut. Das ist eure Trumpfkarte und dazu eine Fähigkeit, die ihr euch durch die Weiterbildung hart erkämpft habt.

 

Schritt 4: Die Bewerbung

Endlich geht es an die Bewerbung. Wenn nichts anderes in der Stellenanzeige gefordert wird, gehören folgende Unterlagen in eure Bewerbung:

  • Anschreiben
  • Lebenslauf
  • Zeugnisse/ Nachweise
  • Arbeitszeugnisse
  • Projektliste

Das Anschreiben ist eure Eintrittskarte. Vermeidet Floskeln und übermäßige Selbstdarstellung. Sagt einfach klar und verständlich, weshalb ihr gerne für das Unternehmen arbeiten möchten und was ihr dem Unternehmen konkret bringt (hier sind die Infos aus Schritt 3 wichtig). Eure ursprüngliche Qualifikation ist neben dem Fachwirt natürlich ebenfalls ausschlaggebend. Bewirbt sich eine Physiotherapeutin mit Fachwirt beispielsweise als Praxismanagerin in einem Orthopädiezentrum, so punktet sie dann besonders, wenn sie darlegen kann, dass sie sowohl das medizinisch fachliche Basiswissen aufweist und gleichzeitig mit den Abläufen einer Praxis bestens vertraut ist. Hebt eure Stärken hervor, die für genau den Job notwendig sind. 

 

Der Lebenslauf sollte lückenlos sein und nur die für die Stelle geforderten Informationen beinhalten. Der Kellnerjob während der Ausbildung ist dabei in der Regel überflüssig. Es ist keine Pflicht ein Foto beizufügen, dennoch dringend empfehlenswert.

 

Als Zeugnisse sind sämtliche Ausbildungsnachweise, sowie Weiterbildungsmaßnahmen und Fortbildungen einzureichen. Bei den Fortbildungen selbstverständlich auch nur die für den Job relevanten, andere können ergänzend im Lebenslauf aufgezählt werden. Schulzeugnisse bitte nicht einfügen außer sie werden explizit eingefordert.

 

Ein gutes Arbeitszeugnis sagt wenig über die tatsächliche Arbeitsleistung und das Arbeitsverhalten des Bewerbers aus. Ein schlechtes dagegen eine Menge. Daher heißt es dennoch: Arbeitszeugnisse rein in die Bewerbung!

 

Zu guter Letzt: Die Projektliste. Tja, was ist das jetzt wieder? In der Projektliste listet ihr alle Projekte auf, die ihr bei früheren Stellen absolviert oder begleitet habt. Das kann die Einführung eines Qualitätsmanagements sein, die Gründung einer Betriebssportmannschaft, Organisation einer Wohltätigkeitsveranstaltung, Presseberichte und und und. Schlicht und ergreifend alles das, was ihr geleistet habt und mit dem ihr Erfahrung habt. Denn auch das gehört zur oftmals so sehr geforderten "Berufserfahrung" dazu. Schaut hierbei auch wieder besonders danach, die Projekte hervorzuheben, die für die gewünschte Stelle von Interesse sein könnten.

 

 

Schritt 5: Das Vorstellungsgespräch

Eure Bewerbung hat überzeugt und ihr habt es in die Vorstellungsgespräche geschafft? Sehr gut. Leider ist damit bisher nur der halbe Weg geschafft. Denn jetzt müsst ihr auch persönlich überzeugen. Oberste Regel: Sei du selbst. Lerne keine Reden auswendig, aber unterschätze die Vorbereitung trotzdem nicht. Über das Unternehmen selbst weißt du seit Schritt 3 ausreichend Bescheid. Aber jetzt ist es vor allem wichtig über dich am besten Bescheid zu wissen. Klassiker im Bewerbungsgespräch sind:

 

  • Das Führen durch den eigenen Lebenslauf
  • Die Frage, warum der Berufswechsel/ Arbeitgeberwechsel
  • Stärken/ Schwächen
  • Karriere z.B. die nächsten fünf Jahre

Es gibt auch sehr kreative Personalerfragen wie: "Wenn Sie in einem Zirkus arbeiten würden, wer wären Sie?" Diese Fragen zielen darauf ab, wie die Persönlichkeit des Bewerber ist. Extrovertiert oder eher zurückhaltend, kreativ, selbstbewusst, sich überschätzend usw. Hiervon gibt es jedoch so unzählig viele, dass man sich kaum wirklich darauf vorbereiten kann. Getreu dem Motto: "Bleib du selbst!“ dürfen diese Frage aber auch durchaus spontan beantwortet werden. Unsere Klassiker betrachten wir uns aber kurz nochmal etwas genauer:

 

Das Führen durch euren Lebenslauf solltet ihr üben. Es geht hier nicht darum nachzuerzählen, was ihr in welcher Reihenfolge gemacht habt, sondern vor allem darum, weshalb ihr gewisse Entscheidungen in eurem Leben getroffen habt. Das müssen nicht immer gute und richtige Entscheidungen gewesen sein. Auch ein Scheitern einzugestehen und dieses reflektiert zu betrachten ist eine ungemeine Stärke und zeigt, dass man aus Fehlern lernt. Übt diesen Teil mit Freunden, die euch ehrliches Feedback geben können.

 

Die Frage danach, weshalb ihr gerade jetzt aus eurem bestehenden Arbeitsverhältnis wollt ist heikel. Beachtet stets in welches Licht euch eure Antwort rückt. Sagt ihr beispielsweise ihr möchtet weg, weil euer Chef ein Tyrann ist, zeugt das von Konfliktvermeidung und illoyalem Verhalten. Der Wunsch nach mehr Gehalt wird euch vermutlich sogar direkt vor die Tür versetzen. Wenn ihr sagt ihr möchte in eine Führungsposition, dann begründet dies gut. Eine charmante Art diese Frage zu beantworten wäre z.B.: "Ich bin jemand, der sich entwickeln möchte, der kreativ ist und sich immer neuen Herausforderungen annimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich die Weiterbildung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen gemacht habe. Auch hier wollte ich einfach mehr wissen und mehr können. In meinem jetzigen Job bin ich sehr glücklich gewesen, aber habe das Maximum meiner Entwicklungschancen erreicht. Nun bin ich bereit für neue Aufgaben und mehr Verantwortung. Ich glaube genau das, in diesem Unternehmen zu finden." 

 

Stärken fallen den meisten Menschen im Bewerbungsgespräch oft viel leichter als Schwächen. Ein seltsames Phänomen. Wir stellen uns einfach nicht gerne schlecht dar. Schnell kommen dann Tipps, man solle sagen, dass man zu ehrgeizig oder zu überpünktlich sei. Personaler kennen und hassen diese Antworten. Bitte sagt so etwas nicht! Aber welche Schwächen kann man sich denn in einem solchen Gespräch folgenlos eingestehen? Die Antwort ist eigentlich so simpel. Genau die Schwächen, die ihr wirklich habt. Steht in der Stellenbeschreibung ihr sollt sicher im Umgang mit MS Office sein und ihr arbeitet nie mit Excel, dann könntet ihr ohne schlechtes Gewissen sagen, dass ihr bisher wenig mit Excel gearbeitet habt, aber ansonsten sehr gut mit Office und anderen Programmen umgehen könnt und bereit seid euch diese Kenntnisse schnellstmöglich durch eine Schulung anzueignen. Das ist für einen Personaler eine ehrliche Antwort. Sie zeigt, dass man eigene Schwächen erkennt und zu beheben weiß und für das Unternehmen ist es dennoch kein maßgeblicher Grund euch deshalb nicht zu nehmen. Also nur Mut!

 

Die gefürchteten "nächsten fünf Jahre!". Fast jeder hat diese Frage schon einmal gestellt bekommen und es ist gar nicht so leicht diese pauschal "richtig" zu beantworten. Denn diese Frage ist sehr individuell. Wichtig ist, dass ihr euch darüber sehr gut im Vorfeld Gedanken macht. Auch hier stellt sich die Frage: Wie wirkt das, was ich gesagt habe auf mein Gegenüber? Die richtige Antwort liegt irgendwo zwischen den beiden Extremen "Ach, schau'n wir mal!" und "Auf Ihrem Stuhl!". 

 

Habt ihr dann auch das Vorstellungsgespräch erfolgreich hinter euch gebracht, dann steht dem Traumjob nicht mehr viel im Wege. Wichtig, lasst euch von Absagen nicht aus der Bahn werfen und verunsichern. Durchhaltevermögen ist hierbei eine Tugend, die eine angehende Führungskraft erst auszeichnet. Viel Erfolg!

 

In diesem Sinne...

 

 

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Checkliste für den Traumjob.pdf
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